Geschichte der Furlo-Schlucht
Geschichte der Furlo-Schlucht
Passo del Furlo oder Gola del Furlo
Hier lauscht man dem Schweigen der Jahrhunderte.
Wo:
Der Passo del Furlo liegt in der Provinz Pesaro-Urbino, auf der Superstrada SS 3, 35km westlich von Fano und 248 km nordöstlich von Rom. Wenn Sie auf dieser Strasse von Norden in Richtung Rom fahren und – bitte nicht nach Urbino abbiegen-, sondern immer Richtung Rom unterwegs sind, verlassen Sie die Autostrada bei der Ausfahrt „Gola di Furlo“, folgen Sie den Schildern „Furlo“ so kommen Sie automatisch auf die alte Römerstraße Via Flaminia zur Furloschlucht.
Eigentlich ist die Furlo-Schlucht die Geschichte ganz Italiens, oder sagen wir, ganz Mittelitaliens.
Vor über 200 Millionen von Jahren gelang es dem Fluss Candigliano die massigen Felsen zu durchschneiden und den Weg zum Meer zur Adria zu ermöglichen, die Felssteilwände geben ein faszinierendes Zeugnis ab. Die beiden Berge Monte Pietralata 889 Meter - wenn man von Fossombrone kommt auf der rechten Seite und der Monte Paganuccio 976 Meter auf der linken Seite- beinhalten die Gesteinsformen wie sie bei der Entstehung der Halbinsel Italiens vor Millionen von Jahren sich zusammensezten. Auf den Monte Pietralata suchen und finden Studenten Versteinerungen wie Muscheln, Fische, Gräser usw..Auf den Monte Paganuccio befindet sich die „Universita del Bosco“ ein Ableger der Uni Bologna und Urbino, mit Sommervorlesungen. Das nahe Mittelmeer (Adria) und der „fast“ Apennin haben eine interessante Pflanzen- und Tierwelt, sowohl Mittelmeerklima aber auch apenninisches Gebirgsklima. Das geschützte Gebiet „Riserva Naturale Statale Gola del Furlo“ beherbergt eine stattliche Anzahl von bedrohten Tierarten, wie Königsadler, Stachelschweine, Habichte, Krähen, Stinkmarder, Rehe, Hirsche, div. Falken, Dohlen und viele Spechtarten (der Specht ist übrigens das Wappentier der Marchen).
Bitte nicht pflücken - es ist ein Naturreserveart - .
Vielfältig ist die Vegetation teils meridionale, teils apenninisch. Rar sind div. Orchideen-Arten, Schwarzdorn, Dorneichen, verschiedene Schwertlilien, verschiedene Iris-Sorten, Meereskirschen. Besonders hervorzuheben ist eine Blume „moehringe papulosa“, die hier und in der Gegend der Grotte Fra Sassi zu finden ist. Zwar nicht geschützt sind Wiesen von kleinen Alpenveilchen. Was wächst sonst noch: Eichen sind ein Teil der Bewaldung, Eschen, Pinien und Ahorn gehören mit dazu, die Zypressen wurden erst nach dem ersten Weltkrieg gepflanzt und waren in dieser Region nicht beheimatet, Sträucher wie Vogelbeere, Hagebutten u.v.m. sind zu finden. Auf den Weiden sieht man die weißen marchegianischen Kühe mit imposanten Hörnern, oft Schafe und mehr und mehr Pferde.

Zur Geschichte:
Die ersten Informationen über die Schlucht sind von den Etruskern. Um 450 v. C. wird berichtet, das es eine Strasse von Rom nach Rimini, - das waren die Grenzen ihres Herrschaftsbereiches- gibt.
Den Namen hat die Schlucht durch die geologische Entwicklung erhalten, der erste bekannte Name war Saxa Intercisa soll heißen Pietra Spaccata oder Sasso Rotto = geteilter oder kaputter Stein. Später Petra Pertusa heißt Pietra Forata = durch-löcherter Stein. Erst viel später ist der Forulum Piccolo Foro= kleiner Ofen entstanden, daraus wurde Forlo bis schlussendlich das heutige Wort Furlo sich eingebürgert hat. Das kleine kaum bemerkbare Tor auf der linken Seite, wenn man von Fossombrone kommt, wurde von den Etruskern errichtet. Der Durchbruch in der Furlo -Schlucht wurde ermöglicht durch die Verwendung von Essig, das den Kalk-Stein mürbe machte und so leichter mit Meißel zu bearbeiten war. Weitere Hilfsmittel waren Feuer und Wasser.Die meiste Arbeit wie schon gesagt, leistete über die Jahrmillionen der Bach Candigliano, nicht der Metauro, wie sehr viele sagen. In der Geschichtsschreibung steht, daß es bei der Eroberung der Furlo -Schlucht durch die Römer keine großen Probleme gab, denn seit der Schlacht um Sassoferato im Jahre 295 v.C. gab es unter den Bewohnern keine Wiederstände gegen die Römer mehr. Später wird berichtet, daß der Kurier des Pretore von Rimini L.P.Licino dem Senat in Rom die Mitteilung brachte, daß der Bruder von Annibale, die Alpen überquert hat und mit 8.000 Soldaten zu seinem Bruder in Italien stoßen will. Dabei schlug der Pretore von Rimini vor, den Feind Asdrubale in der Furlo-Schlucht zu stellen, was ja auch geschah bei der Schlacht am Metauro.
Da die Economie, und die Kultur fast ausschließlich aus dem Osten kam, eroberte Gebiete im Norden lagen, war der Verkehr auf dieser Strasse sehr groß. So baute 76 n.C. Flavio Vespasiano die Strasse von Rom nach Rimini weiter und besser aus und sie hieß dann auch Via Flaminia, dabei wurde das heute noch durchfahrene Tunnel in der Furlo-Schlucht gebaut und ist heute noch eine bestehende Trasse von Fano durch den Apennin nach Rom.. Für die Kuriere wurde auch eine Pferdewechselstelle eingerichtet. Wie es so ist, an einem so bedeutenden Knotenpunkt, sammelten sich auch hier Räuberbanden „briganti“ auf den Monte Paganuccio, so daß im Jahre 246 n.C. 20 Soldaten aus dem römischen Municipio Ravenna zum Schutz der Durchreisenden stationiert wurden. Nach dem quasi Ende der Römer in Italien kamen die Goten und überfielen mordend, brandschatzend und plündernd Nord- und Mittelitalien. Sie kontrollierten u.a. auch die Tunnel, sodass sie die Kontrolle über die ganze Via Flaminia hatten. Zur Verteidigung von Ravenna bauten sie die Furloschlucht mit einer Burg weiter aus.
Die Byzantiner –das Kaiserreich- wollten natürlich auch - wie fast alle Europäer- die Halbinsel erobern, ihnen war dabei Rom als alte Römer-Hauptstadt und Papst Residenz sehr wichtig. Sie sahen sehr bald ein, daß die Furloschlucht nicht einnehmbar war, so entschlossen sie sich die mühevolle Eroberung der Goten-Burg hoch über den Fluss einzunehmen. Die Byzantiner hielten die Furloschlucht von 539 bis 543 mit einem Kontingent von 400 Mann, aber der Goten Chef Totila vertrieb 543 die gesamte Garnison ,so wurde sie wieder gotisch. Nach dem Tod von Totila 553 fiel die Schlucht wieder an die Byzantiner, bis im Jahre 571 die Langobarden auf dem Kriegszug nach Rom die Schlucht eroberten.
In dieser Zeit um 970 wurde die Abtei S. Vicenzo auf Tempelresten erbaut, die jetzt schön restauriert da steht. Die Benediktiner Abtei entstand aus Spenden von Durchreisenden, „die Gott sei dank“, den Apennin mit gefährlichen Bären und Wölfe durchquert hatten. Entgegengesetzt, am Ende der Schlucht, also nach dem Tunnel in Richtung Fossombrone rechts befindet sich eine ex. Kirche, die im Sommer interessante Fotos aus der Furloschlucht zeigt.
Barbarossa ging hier zur Jagd, und Friedrich II. war hier in der Nähe, erzählt man.
Durch die päpstliche Einsetzung der Urbiner Herrschaft der Montefeltro im Jahre 1234 fiel das Gebiet an sie, die Herrschaft der Della Rovere waren die Nachfolger. Nach einen Bericht von Kardinal Andria Giulio II ist die Furloschlucht ein Pulverfass von Banditen. Im Jahre 1246 wird das Kloster Petra Pertusa von den Cagliesi, -Bewohner von Cagli- angezündet und zerstört. Der rechte Teil der Kirche wurde nicht mehr aufgebaut. Das Portal und die Kirche jedoch, da weist eine Inschrift aus dem Jahre 1271 von Abt Boneventura hin. Am 28 April 1631 ging das ganze Herzogtum also auch die Furlo-Schlucht, an den Kirchenstaat zurück. In den Jahren um 1700 wird berichtet, dass die Schlucht in sehr schlechtem Zustand war und es gab eine Auseinandersetzung mit Papst Pio VI über die Reparaturleistungen.
Im Jahr 1797 durchzogen die Franzosen die Furlo-Schlucht und brachten den Geist der Revolution mit nach Italien, leider vergaßen sie in dieser Kriegszeit die Werte der Revolution.
Nach dem ersten Weltkrieg pflanzten österreichische Kriegsgefangene zwischen der Furloschlucht und Fossombrone (der Cesane) Zypressen und anderes Gehölz an den Hängen. Die technische Entwicklung verbrauchte immer mehr Strom, so daß im Jahre 1921 am Ende des Tale mit einer hohen Mauer ein Stausee gebaut wurde. Das Stauvolumen betrug damals 725.000mc/qm. 1944 wurde die Mauer zerstört, so dass geraume Zeit später eine noch größere Mauer von 58 Metern mit einen Fassungsvermögen von 1.780.000 mc/qm gebaut wurde, beeindruckend sind die unterschiedlichen Etagen der Mauer. Durch die Zusammenführung von Metauro und Cadigliano bei S. Lazzaro werden jetzt 78 Millionen kWh Strom für ca.40.000 Familien erzeugt.
Es ist bautechnisch für mich ein gelungenes Werk, hier einen Stausee zu bauen. Der dadurch entstanden stille See passt herrlich zwischen die Felsen und bildet einen idealen Canon.
Hier lauscht man dem Schweigen der Jahrhunderte.
Mussolini hatte in Furlo sein Liebesnest. Die Räume sind noch so wie es einmal war und stehen zur Besichtigung frei, na ja Besucher gibt es nicht viele. Das Gesicht des Dutsche wurde in den Fels eingemeißelt und es gab großen Streit, ob der Dutsche schläft oder nicht, ( den ein Führer schläft nie) nach der Befreiung wurde es gesprengt. Das fast Ende des Zweiten Weltkriegs in Italien spielte sich auch hier ab. Eine entscheidende Auseinandersetzung zwischen den Deutschen und den Alliierten fand am nahen Fluss Metauro statt. Die Auseinandersetzung -und von den Deutschen ausgerufene Verteidigungslinie Goten Linie- wurde dann vom Churchill und seinen Afrika General Alexander vom Aussichtspunkt Montemaggiore sul Metauro beobachtet Bis in die siebziger Jahre war die Furloschlucht der einzige direkte Weg von Fano nach Rom, diese Jahre mit stark aufkommendem Autoverkehr waren nicht die besten für die Schlucht. So entschloss man den Bau eines großen modern Tunnels. Auf der Strecke von Fossombrone nach Cagli sind mehrere Tunnel gebaut worden, der längste mit 3 km durch den Monte Pietralata kanalisiert den Verkehr aus der Schlucht. Die Durchfahrt der Schlucht ist erlaubt, man macht sich aber Gedanken, diese Zone nur für Fußgängen und Radler zuzulassen.
ACHTUNG: Bei der Durchfahrt auf Wandergruppen zu achten.
Auch die Feinschmecker kommen in der Region Furloschlucht zum exzellenten Genuss, Trüffel werden von hier in die Welt versendet. Die Tavernen sind spezialisiert auf diese Erzeugnisse, zum Wohl der Gäste.
Steinarbeiten in allen Dimensionen werden hier von Fachkräften für ganz Europa erzeugt . Sehr oft geht die Mille Miglia durch die Schlucht, die Felswände sind eine interessante Kulisse mit den Oldtimern. Gegenüber der schönen romanischen Abtei S.Vincenso, ist bei schönen Wetter an Sonn- und Feiertag die große Wiese belegt, dort picknicken die Ausflügler. Sie kaufen in der Bar „Furlo“ beim freundlichen Cesare und seinem Vater am Kiosk eine ausgezeichnete Piadina. Via Furlo 52 La Piadina eine Spezialität aus der Romania und der nördlichen Marche ist ein Teigfladen, ihn gibt es gefüllt mit verschiedenen Käse und Salami-Sorten oft mit Tomaten und Ruccola oder mit Spinat und anderem Gemüse. Aber zuerst sollten Sie sich die schönen Fresken und den imposanten romanischen Bau ansehen. Am Ende der Wiese sieht man riesige Steinblöcke, es sind Reste der alten Via Flaminia, die damals und auch Heute noch die Wassermaßen aus den Bergen kanalisierte und so die Strasse bei starken Regen befahrbar machen. Wir von Lupos in favola, reinigen einmal im Jahr die Furloschlucht und da kommen div. Objekte zum Abtransport, es ist aber in den letzten Jahren wesentlich besser geworden, man achtet auch hier auf die Natur.
Hier lauscht man dem Schweigen der Jahrmillionen und nur 20 km ist es bis Urbino, dort ist wieder Leben in der Stadt.
Berichtet von Horst Kux
